Chronische Selbstvernachlässigung im Salon

Woher das Muster kommt – und wie du es durchbrichst

In meiner aktuellen Kolumne auf imSalon.de, „Die stille Erschöpfung hinter dem Spiegel“, habe ich ein Muster beschrieben, das ich bei fast jeder Friseurin und jedem Friseur wiedererkenne, die ich begleite: Nach der Schicht nach Hause kommen und einfach leer sein. Nicht nur körperlich müde. Innerlich ausgehöhlt.

Die Kolumne beschreibt, was passiert. Hier will ich einen Schritt weitergehen: Woher kommt dieses Muster – und wie kommst du wirklich raus?

gestresste frau

Das Muster: Immer zuerst an andere denken

Wer im Salon arbeitet, kennt das: Du bist Vertrauensperson, Zuhörerin, manchmal stille Begleiterin durch die schwersten Phasen im Leben deiner Kundinnen und Kunden. Diese Nähe ist ein Geschenk – aber sie hat ein Gewicht. Denn wer so viel Vertrauen trägt, spürt auch den Druck, dem gerecht zu werden. Immer. Auch an den Tagen, an denen man selbst am Limit ist.

Das Ergebnis nennt die Psychologie chronische Selbstvernachlässigung: Der Körper meldet sich irgendwann – mit Erschöpfung, Reizbarkeit, Schlafproblemen. Und weil im Salonalltag kein Raum ist, diesen Signalen nachzugehen, werden sie weggeschoben. Wieder und wieder.

Woher kommt das? Die Geschichte der Verantwortung

Hier setzt meine Arbeit an einem anderen Punkt an als die Kolumne: Die Frage ist nicht, warum du erschöpft bist. Die Frage ist: Wann hast du gelernt, so zu reagieren?

Das Muster „zuerst an andere denken“ fällt nicht vom Himmel. Es ist eine von vier Stressgeschichten, die mir in meiner Arbeit immer wieder begegnen – die Geschichte der Verantwortung. Dahinter steckt fast immer ein Glaubenssatz, der früh entstanden ist: „Ich bin nur wertvoll, wenn ich für andere da bin.“ Oder: „Wenn ich Nein sage, enttäusche ich – und werde abgelehnt.“

Für dein Nervensystem war das einmal eine gute Strategie. Funktionieren bedeutete Sicherheit. Schwäche war gefährlich. Deshalb fühlt sich eine Pause bis heute nicht wie Erholung an – sondern wie ein Risiko.

Das Tückische: Dieser Glaubenssatz bleibt aktiv, auch wenn die ursprüngliche Situation längst nicht mehr existiert. Du bist heute nicht mehr die Person, die Zuneigung durch Funktionieren sichern musste. Aber dein Nervensystem hat das noch nicht erfahren.

Der Weg heraus

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Der erste Schritt ist nicht, weniger für deine Kundinnen und Kunden da zu sein. Diese Nähe macht deinen Beruf aus – sie ist keine Schwäche.

Der erste Schritt ist, deinen eigenen Wert von deiner Leistung für andere zu trennen. Drei Fragen, die dabei helfen:

  • Grenzen setzen ist keine Enttäuschung für andere – es ist Fürsorge dir selbst gegenüber. Wo genau könntest du heute eine Grenze setzen, ohne dass die Welt einstürzt?
  • Welche innere Erlaubnis fehlt dir gerade? („Ich darf auch für mich da sein“ ist ein guter Anfang.)
  • Woran misst du deinen Wert, wenn nicht an dem, was du für andere leistest?

Diese Fragen lösen den Glaubenssatz nicht über Nacht auf. Aber sie sind der erste Riss in einer Geschichte, die du dir selbst irgendwann erzählt hast – und die du auch neu schreiben kannst.

Fazit

Deine Empathie, dein Feingefühl, dein Wunsch, dass es anderen gut geht – das sind keine Schwachstellen. Das ist, was deinen Beruf besonders macht. Erschöpft bist du nicht, weil du zu viel gibst. Erschöpft bist du, weil du nie gelernt hast, dass du auch etwas zurückbekommen darfst.

Stress hat eine Geschichte. Nämlich deine. Und die Geschichte hinter dem Spiegel darf weitergeschrieben werden – mit dir an erster Stelle.

Den Ausgangsimpuls dazu findest du in meiner Kolumne „Die stille Erschöpfung hinter dem Spiegel“ auf imSalon.de

Lese hier die Kolumnehttps://imsalon.de/de/article/friseurkrankheit-chronische-selbstvernachlaessigung–36549

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